"Milieuschutz ist ein scharfes Schwert"

In den sozialen Erhaltungsgebieten bedarf der Rückbau, die Änderung oder die Nutzungsänderung baulicher Anlagen einer Genehmigung des Bezirks. Dazu gehören z.B. bestimmte Modernisierungsmaßnahmen, die Zusammenlegung von Wohnungen oder deren Umwandlung in Eigentumswohnungen. So kann die Umwandlung untersagt werden, wenn Häuser dafür entmietet und anschließend teuer saniert werden. Außerdem sind Eigentümer in Milieuschutzgebieten verpflichtet, innerhalb von sieben Jahren ab der Begründung von Wohnungseigentum Wohnungen nur an die Mieter zu veräußern.

Das Instrument Milieuschutz wurde in der Vergangenheit oft als wirkungsschwach kritisiert. Das Gebiet rund um den Helmholtzplatz im Prenzlauer Berg ist beispielsweise schon seit Längerem soziales Erhaltungsgebiet und trotzdem dominieren dort mittlerweile überwiegend einkommensstarke Haushalte und die Angebotsmieten liegen weit über dem Berliner Durchschnitt.

Um Klarheit über die Wirksamkeit des Milieuschutzes zu bekommen, hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eine Untersuchung des städtebaulichen Instruments in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am Donnerstag, 22.06.2017 von Baustadtrat Florian Schmidt in der Bauhütte im Besselpark vorgestellt. Die Auswertung belege, so Schmidt, dass die Anwendung des erhaltungsrechtlichen Instrumentariums Wirkung zeige: "In letzter Zeit wurde der Milieuschutz als stumpfes Schwert bezeichnet. Jetzt können wir nachweisen, wie scharf das Schwert Milieuschutz in Friedrichshain-Kreuzberg eingesetzt wird. Dabei greifen der konsequente Einsatz von Modernisierungsuntersagung, das Vorkaufsrecht und der Ausbau der Milieuschutzgebiete ineinander."

Gemeinsam feiern: Fastenbrechen 2017

Wer vor der Betonfassade des Inti-Hauses in der Friedrichstraße 1 stand, konnte sich nicht im Traum ausmalen, welch märchenhaftes Bild sich dahinter verbergen würde. In dem weitläufigen Garten standen unter den Bäumen lange, weiß gedeckte und mit Blumen geschmückte Tischreihen, darüber hingen Lichter und Lampions. Am südlichen Ende des Gartens hatte der Orientexpress Berlin e.V. für die Musiker ein orientalisches Zelt aufgebaut und mit Teppichen ausgelegt. Die Atmosphäre des Ortes war feierlich und einladend zugleich.

Schon früh am Abend kamen Frauen, Kinder und Männer aus der Nachbarschaft, um später gemeinsam das Fasten zu brechen. Zu den Gästen zählten nicht nur Muslime, sondern auch Christen und Menschen, die sich keiner Religion zugehörig fühlen. "Wir sind alle hier, um voneinander zu lernen. Das Wichtigste ist, dass sich die Religionen treffen, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam eine Botschaft der Demokratie und Toleranz aussenden", so Wolfhard Schulze, Vorstand der KMA e.V.

Neben Schulze begrüßten Wafaa Khattab vom Quartiersmanagement, Ralf Hirsch von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sowie die Kreuzberger Bezirksstadträtin Clara Herrmann die Gäste. Hirsch dankte vor allem der ehemaligen Bezirksstadträtin Jana Borkamp, die ebenfalls der Einladung gefolgt war und sich im letzten Jahr für die Fortsetzung des Fastenbrechens im Mehringkiez eingesetzt hatte.

Nach den Begrüßungsreden spielte das wunderbare Ensemble Mavimakam aus dem türkischen Konservatorium und anschließend der aus Syrien stammende Musiker Abdelkadir Asli. Er war es auch, der gegen 21.30 Uhr das Gebet sang, mit dem das Fasten gebrochen wurde. Danach begann der kulinarische Teil des Abends: Jugendliche aus der KMA verteilten Essen und Getränke an die vielen Gäste, die das Fasten gemeinsam traditionell mit Wasser und Datteln brachen und sich nachfolgend die in der Küche frisch zubereiteten Köstlichkeiten schmecken ließen.

Wie schon im letzten Jahr zeigte sich, dass das Fastenbrechen im Mehringkiez ein hervorragender Anlass ist, zu dem Menschen unterschiedlicher Herkunft und religiöser Überzeugung friedlich zusammenkommen und gemeinsam feiern. Das sah auch der rbb so: Ein Kamera-Team begleitete den gesamten Abend und drehte zwei Live-Berichte für die Abendschau.

 

Ausstellung auf dem Bauzaun der BVG in der Friedrichstraße

Bild: Stadtkontor


Die Baustelle in der Fußgängerzone
Nachdem die Arbeiten auf dem Mehringplatz selbst weitgehend abgeschlossen waren und die BVG-Baustelle nordwärts in die Fußgängerzone gezogen ist, stellte sich erneut die Frage, wie mit der Gestaltung des Bauzauns umzugehen sei. Von vielen Seiten wurde der Wunsch geäußert, die triste Baustellenumzäunung künstlerisch zu gestalten. Die BVG stellte in Aussicht, die Verschönerung der Bretterplatten zu finanzieren. Da diese von der BVG nur gemietet wurden, ist eine direkte Bemalung allerdings nicht möglich. Nach intensiven Diskussionen haben sich die Beteiligten - BVG, Sanierungsbeauftragte, Bezirksamt und QM – daher auf eine Ausstellung mit Bildtafeln verständigt.

Ausstellungsfläche im öffentlichen Raum
Die Bauzaunausstellung befindet sich derzeit in der Vorbereitung, die federführend von den Sanierungsbeauftragten „Stadtkontor“ übernommen wurde. Mehr als 30 Akteure aus dem Sanierungsgebiet wurden von "Stadtkontor" kontaktiert und eingeladen, sich auf den Bauzäunen vorzustellen, um das Quartier mit seinen unterschiedlichen Facetten, Qualitäten und Akteuren abzubilden. Unter diesen Akteuren sind unter anderem lokale Initiativen, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, aber auch Bauherren oder ortsansässige Institutionen. Zudem sollen Gewerbetreibende aus dem Sanierungsgebiet portraitiert werden. Ebenso wird daran gearbeitet, das Sanierungsgebiet mit seinen Projekten, Planungen und Bauvorhaben vorzustellen. Von einigen Akteuren liegen bereits Bilder und kurze Vorstellungstexte vor, sodass mit dem Layout begonnen werden konnte.

 

 

Nachbarschaftsfest "Tanz im Mai"

"Wir haben die Leute direkt angesprochen, ob sie mitmachen und etwas zum Fest beitragen wollen", erzählt Frau Tändler, die seit 42 Jahren am Mehringplatz wohnt und zum Organisationskomitee gehörte.

Direkt vor dem Café hatten Anwohnerinnen und Anwohner Tische aufgestellt, auf denen kleine Kuchen, Salate, Gegrilltes und Paella angeboten wurde. Die Frauen und Männer besorgten auf eigene Kosten die Zutaten und verkauften das Essen zum Selbstkostenpreis. Wichtig war dem Organisationsteam vor allem, dass die Menschen durch das Fest miteinander ins Gespräch kommen. Die offene und freundliche Atmosphäre auf dem Nachbarschaftsfest bildete hierfür eine gute Basis. Man saß entspannt auf Stühlen und Bänken, unterhielt sich und versorgte sich immer wieder mit Nachschub von den Essensständen. Der Unterhaltungsteil wurde dann am späten Nachmittag von der Chansonniere Tina Cheval mit "Griechischer Wein" eröffnet, anschließend gab es Karaoke mit erstaunlich guten Beiträgen. Entgegen der Vorhersage spielte sogar das Wetter mit: Es nieselte nur kurz, ansonsten blieb es trocken und später kam sogar die Sonne heraus.

Fotos: M. Hühn

"Mehringplatz kickt" 2017

Angetreten waren sechs Kinder- und sechs Erwachsenenteams mit jeweils zehn Spielerinnen und Spielern. Beim Kinderturnier spielten u.a. die Mädchenmannschaft "Wilde Mädels" und die "Stresemann-Kids" mit, ein Team aus der Flüchtlingsunterkunft in der Stresemannstraße. "Wichtig ist vor allem, dass die Leute aus dem Kiez zusammenkommen und gemeinsam etwas machen. Egal welche Herkunft sie haben oder welches Geschlecht", sagte Ali El Kassem, der sich um die Turnierpläne und den Ablauf kümmerte.

Das sportliche Niveau bei den Kids war hoch und es wurde sehr fair gespielt. Auffällig war, dass alle Spielerinnen und Spieler sehr mannschaftsorientiert spielten und weniger auf spektakuläre Einzelleistungen setzten. Das Endspiel gewann verdient das Team "Galaxy 11" gegen den "FC Zeppelin". Alle Spielerinnen und Spieler erhielten bei der Siegerehrung Medaillen aus der Hand der Quartiersmanagerin Wafaa Khattab. Pokale gab es zu guter Letzt auch noch: für die "Wilden Mädels" als fairste Mannschaft, für Denniz als besten Torhüter und für Kai als besten Spieler.

Fotos: M. Hühn